Gedanken zum Thema:

Selbstständigkeit

Seit nunmehr 3 Jahren -es sind wirklich schon so viele- bin ich selbstständig und versuche über die Runden zu kommen. Es ist eher ein "Von-der-Hand-in-den-Mund"-Leben, aber ich möchte mich heute nicht damit auseinander setzen,sondern erklären warum und vermutlich eher mir. Mindestens einmal in der Woche überlege ich, ob ich wirklich selbstständig sein möchte, doch ich befürchte ich kann nicht anders.

Ich habe das Gefühl nicht los zu kommen von meinen kreativen Gedanken. Es fällt mir sehr schwer einfach mal nix zu tun. Was ist dieses Nix? Wie geht das eigentlich? Im Gegenteil, wenn ich eine Idee habe, dann ärgert es mich einem vorgeschrieben Tagesrhytmus zu folgen und nicht kopfüber in einen Arbeitsprozess stürzen zu können. Meistens möchte ich etwas fertig stellen, was einen Prozess vorran bringt, der eventuell nie zu Ende geht. Wie ein Rausch befällt es mich und bringt Adrenalin und Freude mit sich. Natürlich auch Zweifel und die Suche nach Anerkennung... alles ist recht risikobehaftet und in keiner Weise stabil. Sowohl Materiell, als auch gedanklich...schnell finde ich mich da in philosophischen Spären wieder. Braucht es das eigentlich? Wozu mache ich das? Ist es sinnvoll zu Zeichnen? Darf es Spaß machen? Ja, selbst diese Frage stelle ich mir öfter. Unglaublich, wenn man das aufschreibt.

Ich denke, es braucht meine Arbeit nicht, aber ich kann nicht anders und was gibt es schöneres andere Menschen anzuregen, zu inspirieren, zum Träumen animieren? Hoffentlich bleibe ich selbstständig und finde einen Weg damit materiell sicher zu sein.

15.04.2019


Basteln

Vermutlich kennen das die meisten Diplom Designer, wenn Freunde, Bekannte, Familie sich über die neue Arbeit freuen und sagen: "Was hast Du denn da wieder gebastelt?" Für mich fühlt sich das falsch an, reduziert und als würde ich nicht ernst genommen. Vermutlich ist es in keiner Weise negativ gemeint, schließlich freue ich mich ja auch aufrecht über die Basteleien meiner Kinder. Doch da liegt ja die Krux, reduziert das Wort "basteln" meine Arbeit auf eine kindliche Handhabung?

Dabei kommt es doch genau darauf an sich die kindliche Herangehensweise zu bewahren, die Kreativität, die Neugier und Unbefangenheit. Warum also fühlt es sich so falsch an?

Ich glaube nicht, dass in einem VW-Werk gebastelt wir...vielleicht getüftelt, konstruiert...designed? Basteln lässt einen sofort an Papier, Kleber und Bundstift denken (Wichtige Bestandteile für mein kreatives Arbeiten) und an etwas, was nicht professionell sein kann. Ich bastel, baue, werkel, probiere, konstruiere, entwerfe, zeichne und setze mich täglich mit künstlerichen Fragen auseinander...das ist nicht nur basteln!

Die Bandbreite des Basteldilemmas zeigte sich für mich sehr deutlich in meinen Anfängen der Selbstständigkeit. Ich bin Diplom Designerin (Gesamtnote 1,1) und Master of Arts (Gesamtnote 1,7) und habe mich in Gesprächen beim Jobcenter wiedergefunden, die ich bis heute nicht verdaut habe. Herr Jobvermittler, dessen Kunde (ich lach mich tod) bin, sagte wortwörtlich: "Naja, Sie wissen doch selbst, das Design eher ein Hobby ist. Könnten Sie sich nicht einen Job als Verkäuferin oder Kellnerin denken?" Vermutlich waren noch andere Problematiken im Spiel, aber eben auch ein Bild, dass Design auf ein "Basteln" reduziert wurde. Vielleicht wird der Begriff zu oft verwendet, hat einen geringen Stellenwert oder wird als Leidenschaft abgestempelt? Gerade weil ich schon als Kind gern gebastelt habe, weigere ich mich Design so abzutun.

20.03.2019


Titok - mein Ring

Das Ungarische Wort für Geheimnis passt perfekt zu der Art Schmuck, wie ich ihn herstelle. Damit ist nicht das Verfahren gemeint (ich bediene mich des Wachsausschmelzverfahrens), sondern die Idee, dem Ort der hinter jedem Stück steht. Es ist wichtig für mich, dass Dinge eine Beziehung haben bzw. empfinde ich es als reizvoll..um so schöner, wenn sie noch gut dabei aussehen. Der Ring von Oma ist nicht unbedingt wertvoll, weil er einen Stein hat oder glänzt, sonder weil er von Oma ist und uns so mit ihr verbindet.

 

Wenn ich meinen Titok-Ring trage, dann weiß ich, dass er passt und zwar ins Wohnzimmer meiner ungarischen Studentenwohnung, dort wo ich mit Merle und Philipp auf dem Fress-Sofa rumlümmelte, wo ich Kunst machen durfte ohne Gedanken an Geld zu verschwenden, wo Viktor uns allen Langos machte und ich ich sein durfte. Ich assoziere den Duft, die Zeit, die Unabhängigkeit, meine Erfahrungen die ich in Budapest gesammelt habe... mit diesem Ring und ich mag es ihn zu tragen, er ist gemütlich. Dies ist mein Geheimnis hinter diesem Schmuck.

Ein anderes mal mehr.

15.03.2019

Mein Ring.
Mein Ring.